Interviews

Thomas Krämer, Kraemer’sche Kunstmühle

Geschäftsführer Kraemer’sche Kunstmühle und Träger des Bundesverdienstkruezes

 

Herr Kraemer, welche Beziehung haben Sie und Ihre Familie zur Isar?

Die Beziehung meiner Familie zum Auer Mühlbach reicht zurück bis in das Jahr 1863, als mein Urgroßvater Carl Jacob Kraemer, Sohn des Pächters der Stadtmühle Cannstatt, die damalige Papiermühle in Untergiesing kaufte und zu einer Getreidemühle umbaute. Er erkannte schnell die Vorteile des Baches zur Energiegewinnung und entschloss sich deshalb die ursprünglichen Wasserräder durch eine neue Jonval – Turbinenanlage zu ersetzen. Der Mühlenbetrieb mit Turbine wurde im 2. Weltkrieg total zerstört. Es war meinem Vater und seinem Bruder zu verdanken, dass 1948 die neue Mühle mit einer neuen Franzis-Turbine in Betrieb gehen konnte. Mit dieser Turbine erzeugen wir auch heute noch Strom, den wir nach der Stilllegung des Mühlenbetriebes, in das öffentliche Stromnetz einspeisen.

 

Kann man Ihrer Meinung nach das Wasser der Isar in der Stadt noch besser nutzen?

Hier müssen wir unterscheiden zwischen der eigentlichen Isar und den aus ihr abgeleiteten Stadtbächen (u. a. Isarwerkkanal und Auer Mühlbach). Aufgrund der regulierten und gleichmäßigen Wasserversorgung in den Stadtbächen dienen die Wasserkraftanlagen zu einer gleichmäßigen Stromerzeugung. Durch technische Verbesserung der bestehenden Turbinen, wie auch durch Neuanlagen, ließe sich sicher die Effizienz der Stromerzeugungsanlagen steigern. Ist doch eine Wasserkraftanlage nach wie vor die effektivste Art der Stromerzeugung – unabhängig von den Wetterlagen.

 

Warum haben Mühlen in der Stadt keine Zukunft?

Wie der gesamte Lebensmittelbereich, so unterlag auch die Müllerei einer großen Umstrukturierung. Gab es 1960 noch ca. 400 Handwerksbäckereien in München, waren es 2007 nur noch ca. 54 Betriebe. Die Umsätze verschoben sich vornehmlich auf die Backindustriebetriebe, deren Produktionsstätten hauptsächlich außerhalb der Städte angesiedelt sind. Damit einhergehend verlagerte sich die Mehlmüllerei. Großmühlen entstanden auf dem Land oder in kleineren Städten. Gab es noch vor dem Krieg ca. 14 Mühlen im Stadtgebiet München, ist es heute nur noch eine, an die auch eine eigene Bäckerei angeschlossen ist.

 

Wenn Sie mal Zeit haben: Wo ist Ihr Lieblingsort an der Isar?

Es gibt für mich keinen speziellen Lieblingsort an der Isar. Die Isar selber, speziell in dem renaturierten Bereich, ist zu jeder Jahreszeit mein Lieblingsort in München.

 

Welche Entwicklung wünschen Sie sich für die Isar in München?

Ich wünsch mir, dass alle Nutzer dieses Naherholungsgebietes rücksichtsvoll mit der Natur umgehen.