Interviews

Rasem Baban, Vorstand Münchener Tierpark Hellabrunn AG

Tierpark Hellabrunn, München, verheiratet, 3 Kinder

Warum leben Sie in München und was verbindet Sie mit dem Fluss Isar?

Ich war 12 Jahre im Leipziger Zoo und dort zuletzt als stellv. Direktor tätig und erhielt die einmalige Chance hier im Münchner Tierpark zu arbeiten und um ihn zukunftsorientiert zu verbessern. Im Besonderen die Haltungsrichtlinien der Tiere, unseren Bildungsauftrag und Erhaltung des Artenschutzes, sowie das Ausbauen der Naturoasen im Zoo. Entsprechen die Gehege noch den heutigen Vorgaben? Diese Verschärfen sich und wir müssen darauf reagieren. So konnten wir zum Beispiel unseren Asiatischen Elefanten das berühmte Elefantenhaus nach strengen Denkmalschutzrichtlinien nach originalen Vorlagen wieder zur Verfügung stellen.

Neben meiner beruflichen Tätigkeit an der Isar, verbindet mich die Faszination eines wilden Flusses, der durch eine Millionenstadt rauscht. Die Renaturierung ist ein gutes Vorbild für viele andere Städte. Dies ist in Deutschland einmalig, so wirkt der Fluss nicht eingeengt und unaufdringlich im Stadtbild. Zudem ist die Strecke Kleinhesseloher Brücke bis zum Brückenwirt meine sonntägliche Laufstrecke und einer meiner Lieblingsplätze.

 

Wie wird das Wasser der Isar für den Tierpark genutzt, welche Vorteile bringt die Lage direkt am Fluss und ist das Wasser für die Nutzung sauber genug?

Das Wasser wird nur für die Tiere verwendet. Das Wasser aus dem Stichkanal Auer-Mühlbach wird für zahlreiche Wassergräben und Teiche, als ein sogenanntes Adernetz durch den Zoo geleitet. Beispielsweise fließt das Wasser durch die bekannte Vogelvoliere. Der Düker an der Marienklause gewährleistet gleich hohen Wasserstand und ist somit eine hervorragend natürliche Ausbruchsicherung vieler Tiere. Damit wird eine Begrenzung geschaffen, die der Besucher als solch nicht wahrnimmt. Viele Brücken verbinden Gehege und Naturoasen und mit den insgesamt 24 Brücken haben wir die höchste Brückenzahl in einem europäischen Zoo. Wir sind das „Venedig der Tierparks“. Das Wasser ist somit bestimmendes Element in der Landschaftsgestaltung. Für mich als Zoodirekt ist der behutsamer und kluge Umgang mit diesem Naturgut besonders wichtig, um die geschützten Biotope im Zoo aufrecht halten zu können. Die Flamingos stehen den ganzen Tag im Isarwasser, alle unsere Tiere trinken es und ihnen geht es gut.

 

Wie stehen Sie zur Partykultur an der Isar? Was braucht der Mensch, was verträgt das Tier?

Problematisch ist die Entwicklung der immer lauter werdenden Musik, diese gefährdet die Exsistenz von seltenen Pflanzen und Tieren. So haben wir knapp 30 Paare Graugänse, die anfangs an der Isar lebten und sich in den Zoo zurückziehen mussten. Ringelnatterpopulationen sind normalerweise Bewohner an der Isar, auch diesen müssen wir Asyl in unseren geschützten Biotopen geben.
Das schöne am Fluss nach dessen Renaturierung ist: Die Bürger können Natur genießen. Kiesbänke, rausgerissene Bäume geben einem das Gefühl vom wilden Kanada. Man sieht viele Arten von Fischen und manchmal auch Huchen. Die Renaturierung der Isar sollten wir vorantreiben. Weg mit der Kanalisierung. Alle die diese Isar suchen, sollten sie auch immer so finden. Mit Picknickdecke entspannen, ohne Glasscherben.

(Foto: Marc Müller)