Interviews

Peter Klimesch, Autor

Buchautor Münchner Isarbuch,  verheiratet, 1 Kind

Herr Klimesch, warum leben Sie in München, was hält Sie und was braucht aus Ihrer Sicht eine Veränderung?

Ich bin sozusagen nach dem Studium in München „hängengeblieben“, was ich aber nie bereut habe. Das liegt auch daran, dass ich zu den Glücklichen gehöre, die noch rechtzeitig zu erschwinglichen Preisen eine Eigentumswohnung erworben haben, nahe am Zentrum der Stadt und doch wie im Dorf. Und es hat auch damit zu tun, dass ich als „Isarfischer“ eine der heiß begehrten Lizenzen zum Fischen an der Isar besitze.

Heute würde ich es mir als junger Mensch überlegen, nach München zu ziehen, da man die Wohnungssituation nur als skandalös bezeichnen kann. Wohnungsmangel und für den Durchschnittsbürger unerschwingliche Miet- und Kaufpreise bestimmen das Bild. Stadtgestaltung ist für mich nicht erkennbar, die wurde von den großen Bauträgern übernommen. Auch auf meinen Stadtteil, die Au, kommen gegenwärtig einschneidende bauliche Veränderungen zu, die den Charakter des Viertels bedrohen.

Einer Veränderung bedarf auch die Verkehrssituation. Der drohende Verkehrskollaps lässt sich nicht allein durch bauliche Maßnahmen und Reglementierungen beheben. Es müsste vor allem ein Umdenken bei der autofahrenden Bevölkerung stattfinden. Solange tausende Autos mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Umgebung gut erreichbarer Ziele wie die Auer Dult oder den Tierpark durch den Parkplatz-Suchverkehr lahmlegen, ist eine Besserung nicht in Sicht. Da ist es auch eher kontraproduktiv, wenn man im Landschaftsschutzgebiet am Tierpark ein Parkhaus errichten will.

 

Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Am schönsten finde ich die Isar mittlerweile im Norden außerhalb der Stadtgrenze, wo man im Gegensatz zur Stadt noch ruhige Plätzchen finden kann. Auch den Untergiesinger Rosengarten mit einem kleinen Ableger der Isar mag ich gern und habe mir vorgenommen, mich im Sommer wieder öfter mit einem schönen Buch dorthin zurückzuziehen. Allerdings muss man auch hier früh unterwegs sein, wenn man einen Sitzplatz erobern will. Zum Fischen kann man leider an die attraktivsten Stellen, z.B. am Flauchersteg, nur noch bei schlechtem Wetter oder am frühen Morgen gehen, da sonst zu viel Betrieb ist.

 

Welches besondere Projekt verbindet Sie mit München und dem Stadtfluss?

Am wichtigsten ist mir im Zusammenhang mit der Isar, dass die Kleine Isar ihren weitgehenden Naturcharakter behält und dass nicht den Begehrlichkeiten aller Isarnutzer nachgegeben wird. Ich denke da an ein offizielles Freibad im Fluss, an einen durchgehenden Bootsverkehr, an weitere kommerzielle Nutzungen. Die Isar ist keine eierlegende Wollmilchsau!

Beinahe genauso wichtig ist mir die Öffnung ehemaliger Stadtbäche, auf die ich in meinem Münchner Isarbuch, ausführlich eingegangen bin. Hier nur zwei Vorschläge: Öffnung des Westlichen Stadtgrabenbachs in den Anlagen der Herzog-Wilhelm-Straße oder des Glockenbachs an der Pestalozzistraße.

 

Eine Frage, die Sie sich selbst stellen?

Eine zentrale Frage zur weiteren Entwicklung der Stadt ist für mich das bestehende Bodenrecht. Zu denken hat mir in letzter Zeit der Abriss des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusels in Obergiesing gegeben. Durch den illegalen Abbruch wurde eine Situation geschaffen, die so oder so unbefriedigend ist. Das Häuschen als Replik bzw. Fake wieder aufzubauen ist absurd. Ein durch den Abbruch entstandenes höheres Baurecht und damit ein hoher Profit für den Gesetzesbrecher sind trotz der zu erwartenden Strafe unzumutbar.

Also was tun? Der Alt-OB Jochen Vogel hat jüngst in der Süddeutschen Zeitung auf die Verpflichtung des Eigentums und des Eigentümers hingewiesen, wie sie im Grundgesetz und der Bayerischen Verfassung festgeschrieben ist. Das müsste durch neue Gesetze näher definiert werden, denn mit den bisherigen ist das Problem offensichtlich nicht zu lösen. Der Boden ist wie Luft und Wasser nicht vermehrbar und darf nicht der Spekulation unterliegen. Das gilt insbesondere für besonders begehrte Grundstücke an Seen und Flüssen. Und damit sind wir wieder an der Isar.