Interviews

Markus Stangl, Bildhauer

freischaffender Künstler, in Grünwald, wild verheiratet, 2 Kinder

Herr Stangl, Sie kennen die Isar ja schon seit Ihrer Studienzeit. Hat die Renaturierung den Lebensraum Isar verbessert?

Die vielgepriesene Renaturierung der Isar betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Mich stört vor allem das Scheinheilige daran. Wenn man einen Fluss hat, der keine 100 km von seinem Quellgebiet weg ist, dann sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Wasserqualität zum Baden geeignet ist. Da sollte man doch eher kleinlaut sein, und sich genieren dafür, dass es jemals anders war.
Und dann bedeutet die Renaturierung auch, dass der Fluss genauso kommerziell genutzt wird wie immer schon, nur diesmal touristisch. Und auch diese Nutzung wird der Fluss leider nicht unbeschadet überstehen.
Und als im Frühjahr 2015 mit den heftigen Stürmen sich die Natur ihre eigenen Gedanken zur „Landschaftsgestaltung“ machte, war ich damit natürlich auch nicht einverstanden….

 

Wie wichtig ist Ihnen und Ihrer Familie die Isar. Sie wohnen ja in unmittelbarer Nähe. Verbringt Ihr viel Zeit an der Isar?

Ich persönlich mag Wasser, und könnte mir auch nicht vorstellen an einem Ort zu leben, wo kein Wasser durchfließt. Wenn ich aber ehrlich bin, ist dies auch mehr so eine Art Gefühl; denn wenn man genau rekapituliert, ist man gar nicht so oft „an der Isar“, meistens braust man nur mit dem Auto drüber, und hat alles andere im Sinn, nur nicht die Isar. Und meine Kinder, da bleibt mir leider nicht anderes übrig, als Karl Valentin zu zitieren: „Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“

 

Braucht es an der Isar um und in München auch ein Mehr an Kultur und Kunstraum?

Es ist eine dieser ungeliebten Fragen, weil man als Künstler ja instinktiv JA sagen muss. Und als Privatmensch denkt man eher, dass dies nicht unbedingt so nötig ist. Es gibt ja genug institutionelle Orte wie Gasteig und Praterinsel direkt an der Isar und es wird auch immer wieder genug spontane Initiativen geben wie den Kulturstrand (auch wenn es 2016 nicht stattfand).
Ich denke wir alle sollten uns darauf konzentrieren, den Lebensraum am Fluss zu schätzen als Gegenpol zum hektischen Stadtleben; und jeder Einzelne sollte darauf achten, dass es auch so bleibt. Das wäre eigentlich Kultur genug.