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Kristina Frank: OB-Kandidatin der CSU München

„Wieder München werden“ – Kristina Frank

Interview von Stephan Paul Stuemer

Sie sind Mutter, Stadträtin und Kommunalreferentin der Stadt München. Alles Funktionen mit sehr hoher Verantwortung und nun mitten im Wahlkampf, wie fühlen Sie sich jetzt? Bleibt da für einen Spaziergang an der Isar noch Zeit? Wenn Sie die Uhr anhalten könnten – einen Moment Ruhe genießen! Wo wären Sie da, Ihr Lieblingsort an der Isar?

Viel Zeit, um mit Ruhe spazieren zu gehen, ist momentan leider tatsächlich nicht. Meine Akkus lade ich bei meiner Familie auf, so oft wie möglich draußen in der Natur. Oder beim Sport, der leider auch viel zu kurz kommt. Am liebsten würde ich den nahenden Frühling in den Isarauen noch viel mehr genießen können. Der Rosengarten ist beispielsweise einer meiner Lieblingsorte nahe der Isar: Eine fast märchenhafte Oase mitten in unserer Stadt.

 

Zukunft Kind – Welche Werte setzen Sie persönlich abseits politischer Strategien und Schafkopfen?

Ob es die Familie ist, Freunde oder beispielsweise auch der Glaube: Jeder Mensch braucht einen Fels in der Brandung, ein Refugium. Bei mir ist es vor allem die Großfamilie, angefangen bei meinem Sohn bis zu meiner Mutter. Ohne diese Phalanx an Unterstützung, an Halt würde ich nicht das machen können, was ich gerade tue.

 

Sie selbst radeln gerne und mehr Platz für Fahrradfahrer soll auch entstehen. Ein geschmeidiges Fahren an den Ufern der Isar ist Grundvoraussetzung gemeinschaftlichen Miteinanders. Es geht aber auch Rücksicht für entspannte Fußgänger und wichtige Natur verloren. Was wünschen Sie sich für alle Rad- und Isarbegeisterte?

Die Isar ist zunächst einmal ein Naherholungsraum für alle Münchner, für den Fußgänger genauso wie für den Radlfahrer. Es ist eine allgemeine Entwicklung in unserer Stadt, dass die Sensibilität für das Miteinander und das gemeinsame Ganze immer mehr abhanden kommt. Das kann man manchmal auf den Isar-Radwegen beobachten, das gilt aber auch für das vielfach verantwortungslose Verhalten mancher Isarbesucher hinsichtlich Verschmutzung der Isar und ihrer Ufer. Das bayerische „Leben und leben lassen“ bedeutet ja gerade nicht, die Wertschätzung für seine Mitmenschen außen vor zu lassen. Sondern im Rahmen des Miteinanders und des gegenseitigen Respekts immer und jederzeit einander zu achten. Deswegen wünsche ich mir wieder mehr Wertschätzung füreinander und mehr Gefühl für ein Miteinander.

 

München leuchtet nicht? Wo braucht München mehr „Licht“ und warum sehen Sie das so? Ihre erste Amtshandlung als Oberbürgermeisterin für das Isar-München?

München leuchtet vor allem im kulturellen Bereich nicht mehr so, wie wir es aus der Geschichte Münchens eigentlich kennen. Hier täte ein wenig mehr Sichtbarkeit der Stadt als Inspiration durchaus gut. Die Isar braucht sicherlich nicht mehr Licht, denn wir haben ja unser einzigartiges „Isarflimmern“, um mal den Isarindianer Willy Michel zu zitieren. Meine erste Amtshandlung mit Isar-Bezug wäre wahrscheinlich, dass wir endlich mehr Dachflächen rundum für die Allgemeinheit zugänglich machen. Mit Blick auf die Isar und gutem Münchner Bier oder Spezi in der Hand.

 

An so manchem Morgen gleicht die innerstädtische Isar und nahe Uferbereiche einer Mülldeponie, einer Landschaft, wie der ein oder andere sie vielleicht nur aus dem TV kennt. Sie als „Müllionärin“ der Stadt München – was müsste von uns allen getan werden, damit Sie in diesem Isarraum eben keine mehr sind und wie lässt sich das Ihrer Meinung nach zeitnah umsetzen?

Die Isar wird ja – wie alle öffentlichen Flächen – vom Baureferat gereinigt, deswegen bin ich als oberste Müllladerin dafür eigentlich nicht zuständig. Wie wir mit der Isar umgehen, sagt aber immer auch etwas darüber aus, wie wir allgemein miteinander umgehen. Deswegen sehe ich solche Müllexzesse wie in den vergangenen Sommern durchaus mit Sorge. Der rücksichtslose Materialismus passt nicht zu einem Naturraum, dessen Existenz; Qualität und Gedeihen im Wesentlichen von unserer Rücksichtnahme abhängt.
Ich finde das Engagement aus der Mitte der Zivilgesellschaft zum Aufräumen des Isarraums sehr vorbildlich. Solche Initiativen unterstütze ich stark, u.a. indem ich selbst mit ploggen gegangen bin (Anmerkung: ploggen ist eine Kombination aus Müllsammeln und Joggen). Grundsätzlich halte ich nicht viel von flächendeckenden Verboten oder rigorosen Kontrollen: Der öffentliche Raum, auch der Isarraum, ist für alle da. Es ist an uns, das Verantwortungsgefühl eines jeden zu aktivieren. Denk an Deine Isar!

 

Jede stark wachsende Region braucht auch ein Mehr an Platz. Konsum ist der Profilierungsmaßstab auch bei jungen Leuten, den wir vorleben. Statt über Diesel sollten wir da nicht eher über SUVs und über den schick designten Geländewagen für ausgebaute Straßen diskutieren? Diese brauchen mehr Platz als Kleinwagen. Durch ihre Form entsteht ein höherer Luftwiderstand und dadurch wird mehr Kraftstoff benötigt, wir erzeugen damit mehr CO2 und mehr Stickoxide. Durch Gewicht und Größe entsteht ein höherer Reifenabtrieb und dadurch haben wir in der Stadt mehr Mikroplastik und Feinstaub. München ist Deutschlands Hauptstadt der Mikroplastik im Fluss. Ihre Meinung: Anreize statt Verbote. Ihre Idee?

Zunächst einmal: Ich halte nichts davon, einzelne Menschen, Gruppen oder die Fahrzeuge, die sie nutzen, zu stigmatisieren. Wir leben in einem freien Land, in dem beispielsweise jeder sein Konsumverhalten frei wählen kann. Egal, ob beim Verzehr vom Fleisch, bei Flugreisen oder der Wahl des Gefährts: Jeder Mensch muss für sich entscheiden können, inwieweit er diese Freiheit nutzt oder aufgrund anderer Interessenlagen einschränkt. Von Seiten der Politik sollte alles getan werden, um klar zu machen, dass die Alternativen zu umweltschädlichem Verhalten deutlich attraktiver sind. Ich wünsche mir beispielsweise, dass viel mehr Leute mit dem MVV oder dem Radl fahren, egal, ob sie einen SUV oder einen Kleinwagen haben. Um gute Angebote, sinnvolle Anreize müssen wir uns kümmern. Um so den Umstieg schmackhaft zu machen.

 

Insektensterben – Die dramatischen Folgen für uns und unseren Planeten brauchen wir sicher nicht mehr zur Frage machen. Ursachen gibt es viele. Für alle ein Beschäftigungsmuss! Welche konkreten Projekte stellen Sie sich vor, um in einer Großstadt tatsächlich dem Artenschwund entgegen zu wirken? Wie viele Spatzen gibt es auf dem Rathausplatz? Würden Sie mit mir den ersten Baum auf dem Rathausplatz pflanzen?

In meiner Funktion als Kommunalreferentin bin ich gleichzeitig auch die Oberbäuerin und die Oberförsterin der Stadt. Arten- und Umweltschutz war von Anfang an meine oberste Priorität. Ich lasse deswegen sämtliche landwirtschaftlichen Flächen auf Ökolandwirtschaft untersuchen und habe unsere Pächter zum großen Teil überzeugen können, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Gleichzeitig habe ich als Försterin das Ziel ausgerufen, in den kommenden Jahren 500.000 Bäume zu pflanzen. Klima- und Umweltschutz erfordert von uns ein enormes Engagement. Den Weg werde ich als Oberbürgermeisterin noch besser angehen können. Gerade in Sachen Dach- und Fassadenbegrünung und der Schaffung von grünen Oasen in der Stadt können wir noch viel mehr machen – gerade bei städtischen Gebäuden.
Und sobald der Marienhof wieder nutzbar ist, soll dort auch endlich wieder Natur Einzug halten.

 

Mittelstand und Wirtschaft – ein Steckenpferd der CSU? Ausgeübte Handwerksberufe werden immer seltener. So z.B. verschwinden Bäcker mit dem eigentlichen Qualitätsprodukt Brot und wir erfreuen uns am Morgen an halbgefrorenen Teiglingen „frisch aufgebacken“ an der Tankstelle oder im Supermarkt. Am schwersten haben es Einzelkämpfer wie Floristinnen, das Kunsthandwerk, der Pizzabote oder die charmante Boazn um die Ecke. Auch kreative Berufe, all die, die diese Gesellschaft mitfinanzieren. Künstlerinnen müssen bereits abwandern, Startups verschwinden wieder oder versuchen ihr Glück bei Amazon. Wie wollen Sie als Oberbürgermeisterin das breite Bürgertum in der Stadt München voran bringen?

Ich möchte Ihnen ein Beispiel aufzeigen, dass für mich stellvertretend dafür steht, wie man als politisch Handelnde traditionelle Münchner Betriebe kaputt macht: die Fraunhoferstraße. Hier hat eine linke Mehrheit im Stadtrat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion sämtliche Parkplätze zugunsten breiter Radwege gestrichen. Die Fraunhoferstraße ist – oder besser gesagt: war – eine typische Münchner Straße: Gaststätten und viele kleine oder mittelständische Firmen, die zum Teil dort schon seit Jahrzehnten ihr Geschäft haben. Durch den Wegfall der Parkplätze und damit auch der Anliefermöglichkeiten mussten nun innerhalb kürzester Zeit fünf Betriebe schließen, darunter gerade auch ganz klassische kleine Betriebe. Viele andere stehen unmittelbar vor der Entscheidung über die Zukunft ihrer Firma. Was hier also passiert, ist die vollkommene Verdrängung gewachsener ökonomisch-gesellschaftlicher Strukturen zugunsten eines ultrabreiten Radweges.
Man kann das so machen, aber verantwortungsvolle Politik ist das krasse Gegenteil von diesem – gelinde gesagt – rot-rot-grünen Schildbürgerstreich. Ob Verkehrspolitik, Unterstützung der Münchner Wirtschaft oder Klimaschutz: Wir müssen endlich weg von diesem Stückwerk und hin zu einer reflektierten, überlegten ganzheitlichen Politik.

 

Eine Juristin muss klug für Ihre Klienten denken. Eine Richterin nach gegebener Lage und Gesetz entscheiden. Ihre emotionale Seite als Mensch und heute als OB-Kandidatin der Landeshauptstadt München?

München ist die schönste Stadt der Welt, ohne wenn und aber. Es gibt für mich keinen lebens- und liebenswerteren Ort. Und ich möchte, dass das so bleibt. Deswegen möchte ich Oberbürgermeisterin meiner Heimatstadt werden. Um der Stadt die Mitte und das Miteinander wiederzugeben. Um die „Liberalitas Bavariae“ hochzuhalten und zu revitalisieren. Um München mit ruhiger und sicherer Hand durch die Stürme der Gegenwart und Zukunft zu steuern. Dafür stehe ich, dafür brenne ich. Eine gute Politikerin muss drei Tugenden haben: Verantwortungsgefühl, Augenmaß und vor allem Leidenschaft. Diese Tugenden vereine ich in mir. Und deswegen möchte ich meiner Heimatstadt als Oberbürgermeisterin für alle Münchnerinnen und Münchner dienen.

 

Ihre Frage an die Leserinnen und Leser der ISAR SICHT?

Mich würde sehr interessieren, wie die Leserinnen und Leser zu einer besonnen und maßvollen Aufwertung des Isarraumes stehen.

 

Kurze FRAGE – Schnelle ANTWORT:

Ist die Isar eine Open sorce?
Die Isar ist ein Naturdenkmal.

Haben Sie ein Fahrrad oder fahren Sie ein E-Bike? Würden Sie wechseln?
Ich radle fast jeden Tag bei Wind und Wetter mit meinem analogen Fahrrad.

München ist Partnerstadt von Harare, waren Sie schon mal da?
Ja, kurz nachdem ich in den Stadtrat gewählt wurde. Als Oberbürgermeisterin würde ich unseren Partnerstädten viel mehr Aufmerksamkeit schenken, als es in der Vergangenheit der Fall war. Nur durch globale Zusammenarbeit können wir globale Herausforderungen meistern.

 


MEHR INFOS

Positionen der CSU zu Kunst & Kultur in München
Die CSU in München
Internetseite von Kristina Frank

 


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