UNSER LAND
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Florian Pfänder – Landwirt

Lieber Herr Pfänder, die derzeitige Situation betrifft unseren gesamten Globus. Jeder muss über sich, seine Familie, die Arbeit usw. überdenken und sein Umfeld mit anderen neu gestalten. Öffentlicher Raum wird nahezu gänzlich eingeschränkt. Wie geht es Ihnen persönlich, was empfinden Sie, wenn Sie über die Welt, Ihre Familie und den Betrieb nachdenken?

Wir sind in der glücklichen Lage, in der Landwirtschaft und somit im Bereich der Lebensmittelproduktion arbeiten zu dürfen. Unser Hobby ist gleichzeitig unser Beruf, da haben wir nie Langeweile, gerade jetzt nicht. Um unseren Betrieb mache ich mir da keine Sorgen. Aber natürlich ist es zur Zeit ein Einschnitt im allgemeinen Leben, der alle im täglichen Handeln und Umgang miteinander betrifft.

 

Was machen Sie als Landwirte genau, wie ist ihr landwirtschaftliches Unternehmen aufgebaut und warum haben Sie sich vor 10 Jahren entschieden ein Teil von UNSER LAND zu werden?

Den biologischen Landbau betreiben wir bereits seit 1985. Seit gut 20 Jahren sind wir auf den Gemüsebau im Schwerpunkt Feldgemüse als viehloser Ackerbaubetrieb spezialisiert. Als UNSER LAND vor 10 Jahren auf uns zukam und uns fragte, ob wir Karotten anbauen, waschen und abpacken können, kam uns das damals sehr gelegen, denn die ganze Technik hatten wir bereits. Anfangs war es etwas holprig, doch die gemeinsamen Entwicklung mit UNSER LAND machten schnell Fortschritte und sind bis heute sehr erfreulich.

 

Einige Menschen sind auch zwecks der Versorgung mit Lebensmitteln beunruhigt. Haben Sie bereits Kartoffeln gesetzt oder anderes Gemüse angebaut für welches Sie Ernteprobleme sehen?

Um die Versorgung mache ich mir keine Sorgen. Wir haben zwar noch keine Kartoffeln gesetzt, aber nicht wegen Personalmangel, sondern weil wir eher die späten Sorten anbauen. Ich mache mir da eher Sorgen um den Salat unter dem Fleece, weil das Wetter jetzt wieder verrücktspielt und es wieder so kalt geworden ist.

 

Brauchen Sie hierfür Erntehelfer bzw. Lohnarbeiter? Und wenn ja, wie viele? Wie sehen Sie die Lage, können wir mit Erntehelfern rechen, oder brauchen Sie Verstärkung aus der hiesigen Bevölkerung?

Zur Zeit haben wir 4 Erntehelfer aus Rumänien. Eigentlich wollten sie Ostern wechseln, aber sie dürfen aktuell nicht nach Hause fahren und es dürfen auch keine Erntehelfer aus Rumänien zu uns kommen. Also bleiben sie vorerst hier. Ende Mai bräuchten wir dann 8 oder 9 Helfer. Sie kommen schon seit Jahren zu uns und möchten natürlich auch dieses Jahr wieder hier arbeiten. Wir bekommen sehr viele E-Mails aus der Bevölkerung, die uns Hilfe anbieten – das freut uns natürlich sehr. Aktuell kommen wir ganz gut über die Runden. Da haben es die Betriebe, die Spargel oder Bio-Zuckerrüben anbauen gerade schwerer.

 

Wie organisieren Sie gerade in Bezug zum Coronavirus ihren Betrieb? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um sich, ihre Mitarbeiter und die Kunden zu schützen?

Normalerweise begrüßen wir alle unsere Mitarbeiter morgens mit Handschlag. Das fällt leider zur Zeit weg. Außerdem gibt es keinen Kontakt zwischen unseren Fahrern und den Mitarbeiten auf dem Hof.
Die größte Ansteckungsgefahr gibt es natürlich im Hofladen. Hier haben wir die Möglichkeit eingerichtet vorab zu bestellen. Die Kunden kommen dann nur, um Ihre Kisten abzuholen. Jeder hält Abstand und viele warten draußen, damit nicht zu viele Menschen im Laden stehen. Dieser Umgang miteinander ist zur Zeit schon komisch, wenn alles so auf Distanz ist. Das ist hier sonst nicht so.

 

Ihre Bitte an die Menschen, Ihr Wunsch an die Politik?

Vorsichtig sein aber nicht panisch; besonnen einkaufen gehen und nicht hamstern, denn es gibt genug Lebensmittel. Ich hoffe vor allem sehr, dass jetzt nicht die ganzen Lebensmittel weggeworfen werden, weil viele Menschen viele zu viel gekauft haben. Von der Politik wünsche ich mir, dass sie die kleinen und mittelständischen Unternehmen unterstützt, die es jetzt schwer haben. Um die mache ich mir wirklich Sorgen! Wir beliefern einige Gastronomen, da bekomme ich mit, wie schlecht es denen gerade geht. Hoffentlich löst sich das bald auf.
Aber etwas Gutes hat das alles doch: für die Umwelt ist es gut! Und vielleicht schätzen die Menschen die regionalen Lebensmittel nach dieser Zeit wieder mehr.

Interview von Theresa Boisson und Stephan Paul Stuemer.
Foto: UNSER LAND, Florian und Johannes Pfänder

 


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Familie Pfänder
AUGSBURG LAND
Schwabmünchen
BIO Gemüse

www.pfaender-hof.de

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