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Familie Hartl – Hofladen und Landwirtschaft

Frau Hartl, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen mit uns ein Interview zu führen. Jeden Tag gibt es auf Grund des Coronaviruses im hohen Tempo viele neue Gegebenheiten, auf die man sich einstellen muss. Wie ist die Situation bei Ihnen zur Zeit auf dem Feld und im Hofladen, auf was müssen Sie sich noch einstellen?

Die Kartoffeln haben wir bereits gelegt, allerdings machen wir das immer nur mit der Familie. Erst zur Ernte sind wir auf ein oder zwei Helfer angewiesen. Aber bis zur Ernte ist ja noch ein bisschen hin, bis dahin ist die Situation hoffentlich wieder normal. Auch der Hofladen ist familiär organisiert: Mein Mann, die Oma oder ich bedienen die Kunden. An dieser Situation wird sich wohl auch so schnell nichts ändern, denn als Lebensmittelbetrieb dürfen wir ja zum Glück geöffnet haben. Wir haben noch 80 Jungbullen im Stall. Das ist das einzige, was wir zur Zeit ordentlich zu spüren bekommen: Da die Gastronomie nicht geöffnet hat, wird weniger regionales Fleisch nachgefragt und der Fleischpreis geht immer noch weiter in den Keller.

Warum haben Sie sich für UNSER LAND entschieden, was ist für Sie an diesem Netzwerk besonders attraktiv?

Nachdem wir aus dieser Region sind, kennen wir BRUCKER LAND von Beginn an. Und da wir, seit UNSER LAND 2016 in die neuen Räumlichkeiten nach Esting gezogen ist, sogar Nachbarn sind, und ich die Geschenkkörbe für BRUCKER LAND herrichte, passt das natürlich noch besser. Wir teilen die Werte und Ideen, hinter denen UNSER LAND steht. In unserem Hofladen gibt es auch nur Produkte aus der Region: Eier, Kartoffeln und Feldgemüse wie Kürbis, Bauerngurken, Kraut, Kohlrabi, Lauch oder Sellerie sind von unserem Betrieb. Den Apfelsaft lassen wir von unseren eigenen Äpfeln hier in der Region pressen, die Nudeln lassen wir von einem Landwirt im BRUCKER LAND aus unseren eigenen Eiern herstellen. Nur etwas Gemüse, das aus dem Gewächshaus kommt, kaufen wir von einem Betrieb aus Dachau zu – auch hier so regional es eben geht.

 

Welche Maßnahmen ergreifen Sie im Hofladen, um sich selbst und alle anderen vor einer Übertragung des COVID-19 zu schützen?

Von unserer Familie steht immer nur 1 Person im Hofladen. Unsere Kinder haben zur Zeit „Hofladen-Verbot“, weil sie noch zu klein sind, um zu verstehen, was 2 Meter Abstand halten bedeutet und wozu man das jetzt auf einmal braucht. Es darf immer nur 1 Person oder 1 Familie in den Laden zum Einkaufen kommen, das haben wir mit einem Schild vor dem Laden geregelt. Das funktioniert eigentlich auch ganz gut. Außerdem wird viel gelüftet, ein Fenster oder die Türe steht meistens offen, wenn es die Temperatur zulässt.

Das Wort „Hamsterkäufe“ wird zur Zeit sehr häufig im Zusammenhang mit der Corona-Krise genannt. Haben Sie diese Art von Einkäufen auch bei Ihnen im Hofladen erlebt? Haben Sie aktuell neue Kunden, die Sie bisher noch nicht bei sich auf dem Hof gesehen haben?

Die Kunden kaufen anstatt einer Packung Nudeln schonmal zwei oder drei. Aber Engpässe von Nudeln haben wir aktuell noch nicht. Aber so richtige Hamsterkäufe sind das ja nicht. Vielleicht liegt´s dran, dass wir kein Klopapier haben…
Es kommen schon viele neuen Kunden aus der Region zu uns zum Einkaufen, die ich davon noch nicht bei uns gesehen haben. Sie haben zu mindestens ein Brucker Kennzeichen. Wir hoffen, dass diese Kunden auch langfristig erhalten bleiben und die Wertschätzung für unsere regionalen Produkte natürlich auch!

 

Die momentane Lage ist für viele schwierig und auch ungewiss. Wo sehen Sie Positives? Was wünschen Sie sich von der Bevölkerung?

Es freut uns, dass das Berufsbild des Landwirts aktuell wieder aufgewertet wird. Die Menschen sehen wieder, dass wir für ihr Essen verantwortlich sind und sind wieder dankbar dafür. Das gab es viele Jahre nicht, da waren die Landwirte ständig in der Kritik wegen CO², Gülle, Tierwohl,…
Außerdem ist es schön zu sehen, dass die Menschen mehr zur Ruhe kommen trotz der ganzen ungewissen Situation. Das Leben ist entzerrter, es ist weniger gesellschaftlicher Druck da, man muss nicht dieses und jenes, die Leute gehen wieder direkt vor Ihrer Haustüre spazieren, es ist einfach anders zur Zeit…
Ich wünsche mir von der Bevölkerung, dass auch weiterhin jeder mehr direkt beim Erzeuger in den Hofläden einkauft und somit auch etwas beim Landwirt hängen bleibt. So kann jeder die Wertschöpfung in der Region unterstützen.

Interview von Theresa Boisson und Stephan Paul Stuemer.
Fotos: UNSER LAND; Foto alle in Grün: Franz, Christine, Sabine, Josef Hartl/ Foto Tracht: Josef, Marie und Sabine Hartl/ Foto am Feld: Franz und Josef Hartl

 


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