Interviews

Dr. Martin Werner, Wissenschaftler

Lehrstuhl für Mobile und Verteilte Systeme, Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Informatik, Familienvater zweier Kinder

Warum leben Sie in München?

Die Stadt München ist sympatisch, groß genug und doch keine anonyme Großstadt. München bietet einen hohen Freizeitwert und alle möglichen Angebote, die sonst nur in anonymen Großstädten zu finden sind. Außerdem bietet München auf engem Raum eine Vielzahl an Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Entwicklung.

Was bietet Ihnen München?

Die Stadt München ist ein idealer Standort für Forschung und Entwicklung im Umfeld der Digitalisierung. Namhafte Firmen wie Allianz, BMW, Google, Siemens, Nokia Solutions, Giesecke & Devrient, Brainloop, Bosch und viele andere sind in München präsent und mit ihren zwei Universitäten und dem Zentrum Digitalisierung Bayern (ZD.B) findet sich ein ideales Umfeld für die Forschung in der Data Science.

Wie sehen Sie die Entwicklung in München hinsichtlich der Studienbedingungen?

München bietet für Studenten sehr gute Studienbedingungen. Allerdings wird es mehr und mehr zu einem Problem für Studenten, eine Wohnung im Großraum München zu finden und zu finanzieren. Damit ergibt sich leider ein Trend, das mehr und mehr Studenten neben der Universität ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Das schränkt die Entwicklungschancen dieser Studenten erheblich ein und führt entweder zu einem nachhaltigen Niveauverlust bei den Abschlüssen oder zu hohen Abbruchraten. Hier muss dringend politisch gegengesteuert werden.

Spüren Sie die viel diskutierte Gentrifizierung? Welche Nachteile könnten sich hieraus für Familien in München ergeben?

Die Gentrifizierung ist in München gerade in der Stadt überall zu finden. Einfache Lebensformen, traditionelle Läden und natürlich ärmere Mitbürger werden systematisch verdrängt und durch gut verdienende, junge Arbeiter ersetzt. Diese verlassen dann aber oft die Innenstadt aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen, wenn sie eine Familie gründen. Damit entstehen tagsüber fast völlig ausgestorbene anonyme Stadtteile und Mieten und Lebenshaltungskosten steigen immer weiter.

Nutzen Sie die Isar mit Ihrer Familie?

Arbeitsplatz Isarnähe, Erholung, runterkommen..
Viel zu selten gehe ich an die Isar. Im Berufsalltag, obwohl unser Standort direkt am englischen Garten alle Möglichkeiten bietet, ist es schwer unterzubringen und mein Lebensmittelpunkt befindet sich mittlerweile in Hohenbrunn vor den Toren von München.

Wenn Sie Bürgermeister wären, was würden Sie als erstes verändern bzw. verbessern?

Wenn ich Bürgermeister von München wäre, würde ich zunächst nicht viel verändern – schließlich sind die sozioökonomischen Probleme auch Folge von wichtigen Besonderheiten der Stadt. Die Münchner Kompetenzdichte, die vielen Firmen, die sich hier niederlassen, die vielen Wissenschaftler, die die Münchner Universitätslandschaft prägen – alle die benötigen zu einem gewissen Maß die Nähe zueinander, die wiederum für einen Zuzug von qualifiziertem Personal und für Wohnungsmangel sorgen. Letztendlich bleibt da nur ein sorgsamer Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, ein wissenschaftlich begleiteter Wohnungs- und Städtebau, und die verantwortungsvolle Unterstützung von Infrastrukturen von Kinderbetreuung über Stadtteilzentren, Sport- und Kulturvereinen bis hin zu nachhaltiger Gesundheits- und Pflegeversorgung. Wichtig wäre mir, dass die Politik mehr die Menschen, die München heute und in 20 Jahren ausmachen, in den Mittelpunkt stellt.