Die Redaktion

Die Isar: Zu sauber?

Saubere Isar?

„ … wäscht nicht nur sauber, sondern rein”, so lautete der Werbespruch für ein bekanntes Waschmittel. Auf die Isar angewendet: Ist ihr Wasser nur sauber oder auch rein?
Dass das Wasser eines Flusses, der durch besiedeltes Gebiet geflossen ist, keine Trinkwasserqualität besitzen kann, leuchtet ein. Mit Güteklasse II gilt die Isar als „mäßig belastet” und ist damit zum Baden, nicht aber als Trinkwasser, bedenkenlos geeignet. Das wurde vor allem durch die technische Aufrüstung der Kläranlagen am Oberlauf durch UV-Desinfektion erreicht. Einer Steigerung der Wasserqualität stehen neben den Einschwemmungen aus der Landwirtschaft auch die Fäkalien der domestizierten Wasservögel entgegen.
Dass man das meist kristallklare Wasser dennoch nicht als rein bezeichnen kann, liegt auch an dem unsichtbar gelösten Chemikalien-Cocktail aus Industrie und Haushalten – z.B. Medikamentenrückstände –, der unsere Kläranlagen ungefiltert passiert. Bei Messungen hat man allerdings nirgends gesundheitsgefährdende Schadstoffkonzentrationen gefunden.
Doch welchen Einfluss hat die Millionenstadt selbst auf das Isarwasser? Vielleicht sind Ihnen bei einem Spaziergang am Fluss schon einmal gemauerte Auslässe in der Uferböschung aufgefallen, denen oft unangenehme Gerüche nach Kanalisation entströmen. 23 solcher Regenauslässe gibt es, aus denen Wasser aus der Kanalisation direkt in die Isar eingeleitet werden kann. Dies geschah früher regelmäßig nach stärkeren Regenfällen, wenn die Kanalisation durch die eingeschwemmte Brühe von den Straßen überfordert war. Heute kommt das nur noch äußerst selten vor, weil man dieses so genannte Mischwasser aus Kanalisation und Regenablauf in 13 riesigen Regenrückhalteanlagen zwischenlagern kann.
Bei „Normalbetrieb” sind die städtischen Kläranlagen im Münchner Norden mittlerweile auf einem derart hohen Stand, dass die Isar die Stadt mit derselben Wasserqualität verlässt, mit der sie in die Stadt eingetreten ist.

Zu sauberes Wasser?

Klingt zunächst absurd, trifft aber zumindest für die Karpfen zu, die seit 1926 in der Abwasserfischteichanlage am Ismaninger Speichersee zur Nachklärung des Abwassers aus der Kläranlage Gut Großlappen dienten. Dank des hohen Nährstoffgehalts des Wassers in Form von Mikroflora, Mikrofauna und Kleinkrebsen gediehen sie prächtig. Die jährliche „Ernte” betrug rund 200 Tonnen.
Als ab Mitte der 1990er Jahre der Nährstoffgehalt des Abwassers infolge verbesserter Reinigungsverfahren zurückging, wurde die Fischaufzucht unrentabel und im Jahr 2000 eingestellt.

Text und Foto: Peter Klimesch