Alle Artikel in: Interviews

Max Wagner, Gasteig

Geschäftsführer Gasteig München GmbH  – Beteiligungsgesellschaft der Landeshauptstadt München   Was verbindet Sie mit dem Fluss zu Ihren Füßen? Ich bin am Starnberger See aufgewachsen und war als Kind oft im Isartal nahe Wolfratshausen. Heute genieße ich es, jeden Tag über den Kabelsteg zu meinem Arbeitsplatz im Gasteig zu laufen. Es ist schön, den Fluss jeden Tag in einer anderen Stimmung zu erleben und auch den Wechsel der Jahreszeiten so unmittelbar wahrzunehmen.   Was bedeutet für Sie die innerstädtische Isar? Die Isar ist für mich ein Stück Natur in der Stadt, ein wichtiger Zufluchtsort für die Münchner, dem man mit großer Achtsamkeit begegnen muss.   Wie stehen Sie zur heutigen Partykultur in der Natur, insbesondere im Zusammenhang mit der renaturierten Isar? Die Balance ist wichtig bei dieser Frage: Natürlich ärgert es mich, wenn ich beobachte, dass Leute haufenweise Müll und sogar zerschlagene Bierflaschen an der Isar hinterlassen. Andererseits besitzt der Fluss einen hohen Freizeitwert, von dem unbedingt Gebrauch gemacht werden sollte. Keinesfalls sollte er als eine Art Museum betrachtet werden.   Was bedeutet für Sie …

Claudia Stamm, mut in bayern

Abgeordnete im Bayerischen Landtag und Vorsitzende der Partei mut. Frau Stamm, was verbindet Sie mit der Isar? Ich liebe die Isar, war schon als Jugendliche sehr oft in München, meist in der Nähe des Flusses. Oft bin ich auch einfach nur an der Isar gelegen. Es gab mal jemand, der zu mir gesagt hat, in München teilen sich die Menschen in diesseits oder jenseits der Isar ein. Für mich stimmt das eindeutig. Ich halte mich bei allem – Arbeit und auch, wenn ich ausnahmsweise mal privat unterwegs bin, auf der Seite des Maximilianeums auf.   Welche Vorteile bringt der Fluss für die Stadt München und ihr Umland und wie lassen sich diese schützen? Was wäre mutig? München verdankt dem Fluss seine Gründung, weniger weil Heinrich der Löwe die berühmte Brücke am Gasteig errichten ließ, um Zoll von den Salzhändlern zu kassieren, sondern weil Mönche aus dem Kloster Schäftlarn flussabwärts eine „Filiale“ des Klosters errichteten. Wahrscheinlich, weil es einfach schöner und praktischer ist an einem Fluss zu leben. Und genauso ist das Verhältnis der Münchener bis heute …

Thomas Krämer, Kraemer’sche Kunstmühle

Geschäftsführer Kraemer’sche Kunstmühle und Träger des Bundesverdienstkruezes   Herr Kraemer, welche Beziehung haben Sie und Ihre Familie zur Isar? Die Beziehung meiner Familie zum Auer Mühlbach reicht zurück bis in das Jahr 1863, als mein Urgroßvater Carl Jacob Kraemer, Sohn des Pächters der Stadtmühle Cannstatt, die damalige Papiermühle in Untergiesing kaufte und zu einer Getreidemühle umbaute. Er erkannte schnell die Vorteile des Baches zur Energiegewinnung und entschloss sich deshalb die ursprünglichen Wasserräder durch eine neue Jonval – Turbinenanlage zu ersetzen. Der Mühlenbetrieb mit Turbine wurde im 2. Weltkrieg total zerstört. Es war meinem Vater und seinem Bruder zu verdanken, dass 1948 die neue Mühle mit einer neuen Franzis-Turbine in Betrieb gehen konnte. Mit dieser Turbine erzeugen wir auch heute noch Strom, den wir nach der Stilllegung des Mühlenbetriebes, in das öffentliche Stromnetz einspeisen.   Kann man Ihrer Meinung nach das Wasser der Isar in der Stadt noch besser nutzen? Hier müssen wir unterscheiden zwischen der eigentlichen Isar und den aus ihr abgeleiteten Stadtbächen (u. a. Isarwerkkanal und Auer Mühlbach). Aufgrund der regulierten und gleichmäßigen Wasserversorgung …

Peter Klimesch, Autor

Buchautor Münchner Isarbuch,  verheiratet, 1 Kind Herr Klimesch, warum leben Sie in München, was hält Sie und was braucht aus Ihrer Sicht eine Veränderung? Ich bin sozusagen nach dem Studium in München „hängengeblieben“, was ich aber nie bereut habe. Das liegt auch daran, dass ich zu den Glücklichen gehöre, die noch rechtzeitig zu erschwinglichen Preisen eine Eigentumswohnung erworben haben, nahe am Zentrum der Stadt und doch wie im Dorf. Und es hat auch damit zu tun, dass ich als „Isarfischer“ eine der heiß begehrten Lizenzen zum Fischen an der Isar besitze. Heute würde ich es mir als junger Mensch überlegen, nach München zu ziehen, da man die Wohnungssituation nur als skandalös bezeichnen kann. Wohnungsmangel und für den Durchschnittsbürger unerschwingliche Miet- und Kaufpreise bestimmen das Bild. Stadtgestaltung ist für mich nicht erkennbar, die wurde von den großen Bauträgern übernommen. Auch auf meinen Stadtteil, die Au, kommen gegenwärtig einschneidende bauliche Veränderungen zu, die den Charakter des Viertels bedrohen. Einer Veränderung bedarf auch die Verkehrssituation. Der drohende Verkehrskollaps lässt sich nicht allein durch bauliche Maßnahmen und Reglementierungen beheben. Es …

Ella von der Haide, Künstlerin

Dipl.- Ing. der Stadt- und Regionalplanung, Landschaftsgärtnerin, Künstlerin, Filmemacherin: Eine andere Welt ist pflanzbar   Wo leben Sie und was verbindet Sie mit der Isar? Ich lebe in Pullach und bin hier in der Gegend auch aufgewachsen. Mich verbinden viele schöne und aufregende Erinnerungen mit der Isar. Ausserdem ist mein bürgerlicher Vorname Isabella aber inoffiziell war ich immer Isarbella .   Haben Sie einen Lieblingsplatz an der Isar und was macht ihn so besonders? Am Liebsten mag ich die ersten Kilometer der Isar im Karwendel. Dort die Kajaks erst nach hinten zu schieben und dann vor zu paddeln ist immer wieder schön, anstrengend und spannend.   Welches Projekt spielt für Sie im Isarraum eine besondere Rolle? und wie sehen Sie dessen Entwicklung, was kann und muss gefördert werden und wie? München wächst und damit auch der Druck auf Grünflächen in und um München, wie auch die Isarauen. Wichtig ist es daher wohnungsnahe Grünflächen zu schaffen und zu erhalten. Urbane Gärten sind da eine Möglichkeit. Ausserdem ist es wichtig, dass wir zu einer anderen Landwirtschaft finden, …

Patrick Lange, Fahrradpendler

Geschäftsführer der Südkino Filmproduktion GmbH,  verheiratet, 1 Kind Herr Lange, was verbindet Sie mit der Isar? Vor ein paar Jahren bin ich von München mit meiner Familie aufs Land raus gezogen, nach Icking. Wir hatten das Gefühl, dass es an der Zeit war, und unsere Tochter sollte „draußen“ eingeschult werden. Ich bin in München geboren und hab dort in vielen Wohnungen gelebt, aber bei der Wahl des Viertels hab ich schon immer geschaut, dass ich nah an der Isar wohne. Das war mir als Bewegungsmensch schon immer ein wichtiges Kriterium. Es ist ja egal, in welche Richtung und wieviele Brücken man abläuft- das ergibt immer eine schöne Laufstrecke. Jetzt bin ich mit meiner Familie wieder an der Isar gelandet, nur eben ein Stück weiter flussaufwärts im Isartal. Das ist schon auch ein sehr schöner Abschnitt der Isar, und ich freu mich sehr, dort zu leben. Zum Glück hatte mir ein Freund, der ein ziemlich extremer Sportler und ein Berufs-Radlpendler ist, den Tipp gegeben, bei der Wahl des neuen Wohnorts zu berücksichtigen, dass ich den Radius …

Michael Kiefer, Pfarrer St. Maria Thalkirchen

St. Maria Thalkirchen in München   Was brachte Sie nach München? In unser schönes München hat mich unser Erzbischof Reinhard Kardinal Marx berufen. Vor 5 Jahren ist mir ein Wechsel meiner Pfarrstelle nahegelegt worden, so dass ich vom „schönsten Dorf“ Anger (laut König Ludwig von Bayern) in die schönste Kirche Münchens nach Maria Thalkirchen umgezogen bin.   Was verbinden Sie mit einem Fluss und was reizt Sie besonders an der Isar? Flusslandschaft ist immer lebendige Geschichte, die das gestern mit dem heute reizvoll verbindet. Trotz der 100 prozentigen Naturerfahrung von Fluss und Auen Landschaft inmitten der Stadt war und ist die Isar eine Lebensader, welche München entstehen und wachsen hat lassen und heute so lebenswert macht. Ich selber spüre das auf jeder Gassigeh Route mit meiner Hündin Elsa!   Lassen mehr Brücken und Unterführungen in München entlang des Flusses die Menschen enger zusammen wachsen? Brücken sind Pfeiler der Mobilität der Menschen. Im päpstlichen Titel PONTIFEX kommt die große Bedeutung eines Bruckenbauers zum Ausdruck. Gut, dass unsere Thalkirchner Brücke so konstruiert ist, dass die Fußgänger und …

Rasem Baban, Vorstand Münchener Tierpark Hellabrunn AG

Tierpark Hellabrunn, München, verheiratet, 3 Kinder Warum leben Sie in München und was verbindet Sie mit dem Fluss Isar? Ich war 12 Jahre im Leipziger Zoo und dort zuletzt als stellv. Direktor tätig und erhielt die einmalige Chance hier im Münchner Tierpark zu arbeiten und um ihn zukunftsorientiert zu verbessern. Im Besonderen die Haltungsrichtlinien der Tiere, unseren Bildungsauftrag und Erhaltung des Artenschutzes, sowie das Ausbauen der Naturoasen im Zoo. Entsprechen die Gehege noch den heutigen Vorgaben? Diese Verschärfen sich und wir müssen darauf reagieren. So konnten wir zum Beispiel unseren Asiatischen Elefanten das berühmte Elefantenhaus nach strengen Denkmalschutzrichtlinien nach originalen Vorlagen wieder zur Verfügung stellen. Neben meiner beruflichen Tätigkeit an der Isar, verbindet mich die Faszination eines wilden Flusses, der durch eine Millionenstadt rauscht. Die Renaturierung ist ein gutes Vorbild für viele andere Städte. Dies ist in Deutschland einmalig, so wirkt der Fluss nicht eingeengt und unaufdringlich im Stadtbild. Zudem ist die Strecke Kleinhesseloher Brücke bis zum Brückenwirt meine sonntägliche Laufstrecke und einer meiner Lieblingsplätze.   Wie wird das Wasser der Isar für den Tierpark …

Sandra Lohrey, Hebamme, MSc

Hebamme im Geburtshaus München, 1 Kind, verheiratet   Frau Lohrey, kommen Sie immer pünktlich zu den Hausgeburten oder bräuchte eine Hebamme mehr Brücken über die Isar? Ja, es gibt immer wieder mal die eine oder andere Situation wo ein Kind so schnell kommt, dass ich es als Hebamme nicht rechtzeitig zur Hausgeburt schaffe. Meistens sind das Frauen mit dem zweiten oder dritten Kind. Dann wünschte ich mir zwar keine zusätzliche Brücke, (mir) aber ein Blaulicht… um schneller durch den Münchner Stadtverkehr zu kommen.   Kann man ohne elektrischen Strom Kinder auf die Welt bringen? Ja natürlich! Für die wirklich wesentlichen Dinge im Leben braucht man ja Gott sei Dank noch keinen Strom! Kinder können wunderbar z.B. bei Kerzenschein gezeugt werden. Zum Gebären brauchen Frauen keinen Strom sondern gute Begleitung und eine ruhige geschützte Umgebung. (Beim Sterben ist es vermutlich ganz ähnlich.)   Welchen Ort an der Isar haben Sie auf eine besondere Art und Weise erlebt? Vor einigen Jahren bin ich mit dem Mountainbike mal an die Isarquelle geradelt… um mal zu schauen wo das …

Dr. med. Martin Güthlin, Arzt

Homöopathischer Arzt und Internist Herr Dr. Güthlin, was brachte Sie nach München? Ich bin seit 1990 in München und habe hier Medizin an der Technischen Universität studiert. Ich wollte vor allem nach München wegen der guten kulturellen Angebote, der Oper und dem Schauspiel. Der Charme der Stadt hat mich seither nicht mehr losgelassen, so dass mein beruflicher Werdegang – von kleinen Seitenblicken nach Wien und London abgesehen – mit München eng verbunden ist. Nach der Facharztausbildung im Klinikum Bogenhausen und anschließender Tätigkeit im Krankenhaus für Naturheilweisen in Harlaching habe ich mich vor 13 Jahren am Englischen Garten als „homöopathischer“ Internist niedergelassen.   Was verbinden Sie mit der Isar? Privat oder beruflich? Mit Rad, mit dem Auto oder zu Fuß? Ich stamme aus einer Stadt direkt am Oberrhein, ein Fluss durch die Stadt wie die Isar löst gleich Heimatgefühle in mir aus. Meine Praxis liegt in der Nähe des Eisbaches, der ja auch ein kleines Stück Isar ist. Meine Hausbesuche mache ich sehr gerne mit dem E-Bike, weil ich dabei auch einmal in der Woche bis …

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang M. Heckl, Wissenschaftler

Generaldirektor Deutsches Museum und Oskar von Miller Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation School of Education und Physik Department, TU München   Herr Prof. Heckl, was verbindet sie nach so vielen Jahren in München mit dem Fluss Isar im Zentrum der Landeshauptstadt von Bayern? Ich habe hier auf der Museumsinsel den schönsten Arbeitsplatz der Welt. Ich darf arbeiten inmitten der Isar, an einem so großartigen Ort. Und aus dem Fenster meines Büros kann ich auf die nur maßvoll gezähmte Isar schauen – samt Bäumen und dem Bieber, der dort lebt. Vor zwölf Jahren hat mich meine Berufung zum Generaldirektor des Deutschen Museums auf diese Insel naturwissenschaftlich-technischer Kultur gebracht. 1978 war ich schon aus meiner oberpfälzischen Heimat Parsberg zum Studium der Physik an die TUM gekommen. Jahrelang bin ich mit dem Rad den schönen Isarweg von der Studentenstadt Freimann zum Studium und zur Promotion nach Garching gefahren. Für das Deutsche Museum spielt die Isar natürlich auch eine große Rolle. Wir möchten die Museumsinsel für die Münchner stärker öffnen – nicht nur für die Museumsbesucher, sondern für alle Menschen. Ein …

Markus Stangl, Bildhauer

freischaffender Künstler, in Grünwald, wild verheiratet, 2 Kinder Herr Stangl, Sie kennen die Isar ja schon seit Ihrer Studienzeit. Hat die Renaturierung den Lebensraum Isar verbessert? Die vielgepriesene Renaturierung der Isar betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Mich stört vor allem das Scheinheilige daran. Wenn man einen Fluss hat, der keine 100 km von seinem Quellgebiet weg ist, dann sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Wasserqualität zum Baden geeignet ist. Da sollte man doch eher kleinlaut sein, und sich genieren dafür, dass es jemals anders war. Und dann bedeutet die Renaturierung auch, dass der Fluss genauso kommerziell genutzt wird wie immer schon, nur diesmal touristisch. Und auch diese Nutzung wird der Fluss leider nicht unbeschadet überstehen. Und als im Frühjahr 2015 mit den heftigen Stürmen sich die Natur ihre eigenen Gedanken zur „Landschaftsgestaltung“ machte, war ich damit natürlich auch nicht einverstanden….   Wie wichtig ist Ihnen und Ihrer Familie die Isar. Sie wohnen ja in unmittelbarer Nähe. Verbringt Ihr viel Zeit an der Isar? Ich persönlich mag Wasser, und könnte mir auch nicht vorstellen an einem Ort zu …

Christoph Bergmann, Bildhauer

freischaffender Künstler, in München, 1 Kind Was brachte Sie in die Hauptstadt Bayerns? Nach München kam ich 1984, um an der Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei zu studieren. Neben dem guten Ruf der Akademie hat mich natürlich auch die Stadt an sich mit all den Museen und ihre Nähe zu den Alpen gereizt, um diversen sportlichen Aktivitäten wie Radfahren, Windsurfen, Bergwandern und vor allem auch Drachenfliegen nachzugehen. Zum Studium kamen dann noch 6 Jahre als Assistent dazu und somit war ich dann wohl schon ein Wahl-Münchner. Welche Verbindungen haben Sie zur Isar? Mit der Isar bin ich zum Einen familiär verbunden – meine Frau kommt aus Bad Tölz, zum Anderen auch sportlich, als Mitglied des Isarwinkler Drachenfliegerclubs. Aber auch künstlerisch gibt es da eine Verbindung: Mein Professor Eduardo Paolozzi war wie ich ein großer Fan des Deutschen Museums. Gerne erinnere ich mich an unsere meist samstäglichen Besuche, die mit ein paar Bahnen im Müller´schen Volksbad begannen, dann ging es zum Frühstück ins Cafe Stör, auf dem Weg zum Museum wurden von der Brücke aus noch …